Der Eisvogel fühlt sich wohl am Floßgraben

Mit ihrem Artikel zur erfolgreichen Brut des Eisvogels im Floßgraben hat eine Leipziger Tageszeitung mit nicht zu überhörendem Unterton mal wieder wenig objektiv Stellung bezogen. Bereits der Titel dient offensichtlich zur Verwirrung der Leserinnen und Leser: Der Eisvogel hat den Floßgraben schon lange als optimales Brutrevier entdeckt und „angenommen“, das ist keine Erfindung und erst recht kein Verdienst der Stadt Leipzig. Im Gegenteil: diese will ihn ja nach eigener öffentlicher Verlautbarung „umsiedeln“ und die jetzigen Brutröhren zerstören! Weitere Aussagen der Stadtverwaltung Leipzig werden im Beitrag zitiert und die Aussagen wohlwollend kommentiert. Gleichzeitig werden die Bemühungen der Naturschutzverbände um eine für alle Seiten sinnvolle Lösung abgewertet und lächerlich gemacht. Nicht die „gute Laune“ wird der Grünen Liga durch die Fahrten des Rana-Bootes „verdorben“. Es geht darum, dass es Gesetze für Schutzgebiete gibt, die auch eine Stadtverwaltung Leipzig einzuhalten hat, statt im Gegenteil daran zu arbeiten, dass mitten durch das Schutzgebiet ein wassertouristischer Highway entsteht: Man muss den Nutzungsdruck nur richtig anfachen, dann genehmigungsfreie Unterhaltungsmaßnahmen nutzen, um mehr Platz zu schaffen und schon müssen die Ufer befestigt, Bäume am Gewässerrand gefällt und die Kurven begradigt werden – alles reine Unterhaltungsmaßnahmen, versteht sich. Bereits das Entfernen des Totholzes im Floßgraben in dem Ausmaß wie gerade geschehen, ist ein Verstoß gegen die Vorschriften. Da ist es nur folgerichtig, wenn im Bericht davon geschrieben wird, dass „gerade … für die Rana-Boot GmbH die selben Zeitfenster wie für die Kanuten“ gelten – „gerade“ erst, ja, denn bis zum Änderungsbescheid am 15.08.2014 !!??/ Anschreiben vom 17.07.14 (was auch immer das zu bedeuten haben soll) nach dem Veto der Grünen Liga gegen die Ausnahmeregelung für das RANAboot, die diesem ein um die Mittagssperrzeit größeres Zeitfenster als den Kanuten einräumte, wurde diese Ausnahme gestrichen – statt dessen aber dem Rana-Boot die Durchfahrt grundsätzlich gewährt.

Die Gesprächsbereitschaft der Naturschützer bestand und besteht, mehrfach wiederholt in schriftlicher und mündlicher Form. Insofern das ganze Tauziehen hätte überflüssig sein können – wenn denn die Stadt Leipzig, wie es sich grundsätzlich gehört, erst recht wenn man es mit dem Schutz eines so kostbaren und sensiblen Gewässers tatsächlich so ernst meint, wie man redet. In dem Rahmen hätte dann auch das Thema der Engpässe durch Bootsbegegnung besprochen werden können, was gar nicht auftauen würde, träte die Einbahnstraßenregelung für die Kanuten, wie von den Naturschützern in ihrem Positionspapier vorgeschlagen, zum Einsatz. Es ist demagogisch, die Tatsachen so zu verdrehen.  Und jeder, wer in Physik oder Dialektik aufgepasst hat, weiß, dass es das Konzept der „Kritischen Masse“ gibt: es kann ganz lange gar nichts passieren, alles fein und in Ordnung sein. Bis zu dem Moment, wo die Kritische Masse erreicht ist und die kumulierte Quantität in eine neue Qualität umschlägt –plötzlich und unerwartet. Und genau dafür gibt es Schutzbestimmungen, damit dieser Punkt nicht erreicht werden und keiner „aus allen Wolken fallen“ muss und hart aufschlägt.

Der Zeitungsartikel: Der Eisvogel nimmt den Floßgraben an LVZ 30 07 2014 S 14

Der Änderungsbescheid: Änderungsbescheid RANAboot GmbH

 

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