Stoppt den Baumfällwahnsinn in unserem Leipziger Auwald: jetzt!

Leipzigs Bürgerinnen sind alarmiert von den umfangreichen Baumfällungen im Waldgebiet „Nonne“, in Schleußig und bei Leutzsch und wandten sich mit ihren Fragen nach der Rechtmäßigkeit dieser drastischen Maßnahmen auch an NuKLA. Die offiziellen Stellen begründen mit Verkehrssicherung, Eschtriebsterben und Waldumbau.

NuKLA hat recherchiert:

Argumente Eschentriebsterben und Verkehrssicherung. Einige der vor ca. 150 Jahren zahlreich gepflanzten Eschen im Leipziger Auwald sind vom Eschentriebsterben betroffen, was langfristig die Standsicherheit einiger der tatsächlich befallenen Bäume beeinträchtigen kann. Eine Langzeitstudie aus Sachsen weist jedoch nach: ca. 50%. der Eschen des untersuchten Gebietes waren resistent und blieben gesund,  10% starben, ihre Äste fielen ab und die Restbäume blieben verkrüppelt stehen (und wurden damit wieder wichtiger Lebensraum für geschützte Arten), die verbleibenden 40% überwanden die Krankheit. Das ist natürliche Evolution: Die Bäume, die gesund bleiben oder die Krankheit überwinden, werden die „Eltern“ der nachfolgenden Eschengeneration! Die Stadt Leipzig hingegen verhindert genau das: Gesunde Bäume werden „vorsorglich“ geschlagen (und verkauft), befallene Bäume werden gefällt (aber fast ausnahmslos nicht an den Wegen, sondern dort, wo sie gefahrlos stehen bleiben könnten). Das Einschlagen der wertvollen alten Bäume ohne jegliche Not, wie es in Leipzig geschieht, ist also weder naturschutzfachlich noch juristisch begründet!

Argument Waldumbau. An einigen Stellen im Leipziger Auwald wurden wieder sogenannte Femellöcher geschlagen, künstliche Lichtungen im Wald, die früher der Verjüngung des Baumbestandes aus wirtschaftlichen Gründen dienten. Auf den dann lichtreichen Stellen soll der Nachwuchs von Eichen befördert werden, die jedoch als langsam wachsende Bäume kaum eine Chance haben, weil sich Holunder, Brombeere und vor allem der standortfremde Spitzahorn viel schneller dort ansiedeln, als die Eichensetzlinge wachsen können. Eine weitere Begründung ist, dass durch Femelung ein höherer Strukturreichtum geschaffen würde, von dem auf mehr Licht angewiesene Arten profitieren. Für andere Arten allerdings, wie die geschützte Mopsfledermaus, die in der Nonne einen von Gesetzes wegen zu schützenden Lebensraum hat, werden nach der Fällung der kostbaren Altbäume Kästen aufgehängt, um die verloren gegangen Nistmöglichkeiten zu kompensieren!

Im Rahmen des Forstwirtschaftsplanes wurden diese Maßnahmen zusammen mit großen Leipziger Naturschutzverbänden geplant und von diesen „abgenickt“.

Also – alles in Ordnung?

NEIN!

Da dem Auwald schon seit Jahrzehnten eine natürliche Hoch- und Grundwasserdynamik fehlt, fällt er trocken. Standortfremde Baumarten können sich ausbreiten (Spitzahorn) und verdrängen die langsamer wachsenden und überschwemmungsresistenten auentypischen Baumarten (z.B. Eichen) immer weiter.

Dies ist ein großen Problem für den Leipziger Auwald, dessen Eigentümer verpflichtet sind, sich für eine Verbesserung des festgestellt schlechten Zustandes einzusetzen (Auenzustandsbericht des BfN). Eine natürliche Hochwasserdynamik wäre die substantiellste und wichtigste Maßnahme, um den Auwald als Auenökosystem zu erhalten.

Eine Wiederauflage des bis 2006 eingehaltenen „Hiebverzichtes“ im Leipziger Auwald für alle alten Bäume wäre ein erster Schritt. Statt dessen werden die alten Bäume, deren luftreinigende Wirkung in unserer wachsenden Großstadt expotentiell zum Kronenvolumen zunimmt, nicht nur dem Wald „entnommen“ sondern den Leipzigerinnen genommen – für  ca. 12.000,- €, die ein gutgewachsener Stamm einer 150 Jahre alten Esche einmalig in die Stadtkasse spült, wenn er nicht unbrauchbar ist wegen Übergröße!

Im Rahmen des von NuKLA und der LANU Ende Mai veranstalteten 1. Internationalen Leipziger Auenökologie-Symposiums fand mit dem teilnehmenden Professor Dr. Bernd Gerken, Forstzoologe, Ökologe und langjähriger Naturschützer und Auenspezialisten, eine Begehung der Nonne, eines der betroffenen Gebiete, statt. Die Bilder sprechen für sich:

Baumfällungen in der Nonne

Gesunde Eschenstämme, Februar 2017

beseitigter Biotopbaum, März 2017.

beseitigter Biotopbaum, April 2017

alter Rotbuchenstamm, unbrauchbar gemachte Nistmöglichkeit der Mopsfledermaus, gefällt in deren FFH-Habitat

alte Eschen, gefällt im Habitat der Mopsfledermaus

gefällter Altbaumbestand der Nonne

wieder alte Eschen – gefällt

„Femelloch“ in der Nonne: So sehen Raubrodungsflächen im Amazonas aus.

Wo soll die Fledermaus hier wohnen??

Dem  Femelloch zum Opfer gefällt: stellt Holzkreuze daneben!

und weiter: kein Ort für Fledermäuse in ihrem geschützten Habitat.

 

gesunde alte Esche

gesunde alte Esche

noch eine

noch drei

und noch zwei…

und immer noch mehr

 

 

(Aufstellung unvollständig)

 

Die Biotopbäume der Nonne im Stapel

und weiter

Auwald, gestapelt

 

Weitere Folgen der „Holzentnahmen“

Rückegassen zerstörten den Waldboden. Nicht verwertbares Holz wird auf einen Haufen geschoben.

Holzlagerplatz im Bärlauchbestand, den die Bürgerinnen nicht betreten sollen

 

Verkehrssicherung a la Leipzig

Der vom Efeu abgewürgte Baum am Weg blieb stehen. Die großen alten Eschen, die 10 Meter zurück standen, dahinter wurden alle geschlagen.

Und warum blieb diese Baumruine direkt am Weg stehen?

 

Eschensterben a la Leipzig 

vor allem die alten gesunde Eschen. Zum Verkauf.

Eschenstamm. Hier sieht man, worum es geht: markiertes Wertholz. Ca. 15.000 €

Eschenstämme, einer zum Verkauf

zum Verkauf

Eschenstamm zum Verkauf

(Dokumentation unvollständig)

 

 

 

Femellöcherbesichtigung Juni 2017

In der Nonne mit Prof. Bernd Gerken. Eine alte unterhöhlte Eiche (Dachs?) am Weg Ri. Süd von Brücke Rennbahn etwa beim Knick des Elsterflutbettes (ggü. von Bootshaus auf Mündungsspitze Pleiße – W. Elster)

In der Nonne mit Prof. Bernd Gerken am Femel (N51.32074° E12.35191°). Letztes Jahr nach Fällungen (darunter gute Eschen) neu und eng mit Stieleichen bepflanzt.

In der Nonne mit Prof. Bernd Gerken am Femel (N51.32074° E12.35191°). Bernd Gerken bestimmt das Alter der gefällten Eschen. Mehrere Expl. (auch anderswo) sind 160, 170 Jahre alt. Was geschah hier um 1840, dass viele wertvolle Eschen entstanden?

In der Nonne mit Prof. Bernd Gerken. Am Fahrweg zw. Schleußiger Weg und Klingerweg steht im Südteil diese efeubedeckte „nicht verkehrssichere“ Stieleiche. Wenn es um Verkehrssicherung geht, fragt man sich warum darf gerade dieser Baum stehen bleiben.

In der Nonne mit Prof. Bernd Gerken. Die ausladenden Stieleichen (auch Eschen) auf der Wiese (N51.32188° E12.35157°) stehen schon seit über 100 Jahren frei.

In der Nonne mit Prof. Bernd Gerken. Die ausladenden Stieleichen (auch Eschen) auf der Wiese (N51.32188° E12.35157°) stehen schon seit über 100 Jahren frei.

Im unbelaubten Zustand war bei den solitär stehenden Eschen auf der Wiese abgebrochene Äste und Äste mit vertrockneten Laub erkennbar, was auf einen möglichen Befall mit dem Falschen Weißen Stengelbecherchen hinweisen dürfte.

Hier einer der abgebrochenen Äste in Nahaufnahme. Unklar, warum man diese nicht aus der Krone entfernt hat, ist diese Wiese doch sehr beliebt bei Tagesmüttern und Anwohnern; gleichzeitig an anderer Stelle gesunde Eschen entnimmt an Stellen, die weiter entfernt von den Gehwegen sind.

In der Nonne mit Prof. Bernd Gerken: Neben Stapeln von minderwertigem Holz liegen vom Holzeinschlag des letzten Winters auch solche Stämme:  1 m Durchmesser, 7 m lang, ca. 150 Jahre alt, kaum Stammver-jüngung. Verkaufswert ca. 12.000 €. Wert für die Natur und die Menschen: unbezahlbar.

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