Wer hilft dem Fischotter?

Dies ist nur wieder eine andere Facette von vielen, wie wenig die ökologischen Werte der Leipziger Auenlandshaft gepflegt und geschützt werden:  Die Neue Luppe zieht als naturfernes Kunstgewässer durch ein bedeutendes Naturschutz- resp. FFH-Gebiet. Kein Zweifel, der Leipziger Auenwald hätte diesen Status nicht erreicht, wenn er nicht ökologisch höchst wertvoll wäre! So dürften kundige BürgerInnen gewiss erwarten, dass Land und Stadt dieses naturkundliche Kleinod pflegen. Weit gefehlt – das zeigt u.a. die Behandlung der Dämme an der Pleiße, des Elsterbeckens und der Neuen Luppe. In der Kurzfassung MaP 50E für das FFH-Gebiet im „Leipziger Auensystem“ schreibt das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie im Februar 2011 zum Fischotter (ich beschränke mich also nur auf einen sehr kleinen Teil der Würdigung des schutzwürdigen Bestandes):

3.3. Maßnahmen in Bezug auf Arten nach Anhang II: Für den Fischotter gelten u,a. folgende allgemeine Behandlungsgrundsätze (Auszug) …

– Sicherstellung einer vorwiegend extensiven Landnutzung bis 50m Uferentfernung. …“

Die vorwiegend extensive Nutzung eines 50m breiten Streifens soll dem Fischotter ein möglichst störungsfreies Gebiet entlang seiner Gewässer sichern. Was für Pleiße, Weiße Elster und Luppe gefordert wird, muss sinngemäß ebenfalls an derart ausgebauten Kunstgewässern gegeben sein, wie es die Neue Luppe ist. Denn jede/r kann rasch lernen, dass Otter weit herum kommen, sie schauen überall nach neuem Lebensraum – sie versuchen also auch die Neue Luppe als Lebensraum zu erkunden und zu nutzen.

Jedoch – die Realität sieht absolut trist aus – der staatlich-europäisch verbriefte Wert der Leipziger Auenlandschaft wird mit Maschinen und Tierfüßen bis zur Unkenntlichkeit zertreten.

Wer dieser Tage auf den Dämmen entlang der neuen Luppe Fahrrad fährt oder läuft, der sieht ein vollkommen überweidetes Land: Da bleibt keine Blüte und kein Spross von der  zu langen Beweidungsdauer durch zu viele Schafe übrig.

Was sollen die Schafe eigentlich erreichen? Es sollen keine Bäume aufkommen! – Ein solches naturfern ausgebautes Gewässer muss sogar noch in der Zeit der zukunftsweisenden Wasserrahmenrichtlinie so naturfern wie möglich bleiben! Dabei ist die Zeit längst reif, es im Rahmen eines Gesamtkonzepts zurück zu bauen – das Wasser, dass in diesem Kanal fließt, fehlt dem Auenwald – und es kann diesem leicht wieder  gegeben werden!

NuKLA

Bis zum Rückbau der Neuen Luppe, d.h. so lange an den naturfernen Dämmen durch eine längst überholte wasserbauliche Methodik festgehalten wird, können wir auf den Wiesen der Dämme wenigstens einen Schatz an sekundärer Natur sich entfalten lassen. Dieser Schatz kommt auch allen benachbarten Bereichen der Leipziger Auen zugute. Er entfaltet sich dann dort, wo sich auch der Otter gerne aufhalten wird!

Jeder junge Landschaftsarchitekt und jede junge Biologin mit ökologischem Schwerpunkt können seit vielen Jahren an Hochschule und Universität lernen, dass durch eine abschnittsweise,  jeweils kurzzeitige Beweidung durch wenige Schafe und z.B. im Wechsel mit einer ebenfalls abschnittsweisen Mahd im Abstand von zwei bis drei Jahren, blütenreiche Wiesen erzeugt werden können, die nachhaltig der Welt der Blütenpflanzen, den Käfern und Schmetterlingen dienen würden – und sie böten reichliche Nahrung für Fledermäuse,  Singvögel,  Amphibien. Eine extensive Beweidung und/oder Mahd genügen, die Dämme so zu erhalten, wie Ingenieure es vor Jahrzehnten für den allein richtigen Umgang mit dem Wasser gehalten haben – in der Tat, die „Neue Luppe“ ist Ausdruck eines heute längst überholten Modells!

Stattdessen wird weiterhin kräftig überweidet. Und für die Erholung suchenden Menschen wird der Damm noch mehr verschandelt. Wo Kinder unter bunten Schmetterlingen spielen könnten und Eltern gemütlich rasten da – liegt alles voller Schafskot!

Prof. Dr. Bernd Gerken

 

 

 

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