Lebendige Burgaue und das Aula Projekt2030

Seit 2013 arbeitet NuKLA an der Idee, mit dem AULA-Projekt2030. Das Auenband der Weißen Elster die Weiße Elster zwischen Zeitz/Gera und Halle/Merseburg zu renaturieren. Im Zentrum dieser Aktivitäten steht der Leipziger Auwald, der seit fast 100 Jahren ohne Wasser ist und schleichend seinen ökologischen Wert verliert. Unser Anliegen wurde als nicht machbar, nicht gewünscht, nicht umsetzbar von allen, bei denen wir damit vorstellig wurden, abgelehnt, abgewiegelt, eine Zusammenarbeit verweigert.

Dazu passt die Erfahrung von Albert Einstein: „Eine wirklich gute Idee erkennt man daran, dass ihre Verwirklichung von vornherein ausgeschlossen erscheint (Albert Einstein)“.

Um ein besonders heiß diskutiertes Thema, den Floßgraben, beispielhaft zu nennen, schlugen auch wir, Herrn Rosenthal in einer Veranstaltung den Bau eines Kanals vom Elsterflutbett zum Cospudener See als für Motor- und gewerblichen Boote zu nutzende Verbindung vor. Diese Idee, die ursprünglich von Professor Haass, Hochschule Bernberg (s. Anlage, LVZ) auf den Tisch gebracht wurde, um die Kollision von touristischen Ambitionen und gesetzlich vorgeschriebenem Naturschutz zu vermeiden, wischte Herr Rosenthal mit den Worten „nicht umsetzbar“, bzw. der Floßgraben ist alternativlos, lapidar vom Tisch – ohne je auch nur einen Gedanken an diese Option zu verschwenden.

Nun, nach 5 Jahren, kommen wir dem NuKLA-Anliegen gute Schritt näher. Wir fordern immer wieder die Umsetzung gesetzlicher Vorschriften durch die dafür zuständigen Verwaltungsstellen ein, notfalls juristisch. Wir suchen und finden Verbündete im Ringen um ein hydrologisches Gesamtkonzept für den Leipziger Auwald als Grundlage aller anderen Projekte. Wir stellen die Art und Weise der bestehenden forst-wirtschaftlichen Nutzung eines Naturschutzgebietes zur Disposition bzw. fordern auch hier ein mit allen diskutiertes und abgestimmtes naturschutzfachlich begründetes Konzept für den Umgang mit dem Leipziger Auwald ein. NuKLA möchte, dass der Auwald so naturnah wie möglich den Leipziger Bürgerinnen und Bürgern zu Erholung zur Verfügung steht, ohne forstwirtschaftliche Experimentierfelder (Mittelwaldflächen in der Burgaue), ohne vorgeschobene „Schutzmaßnahmen“ (wie das Schlagen gesunder, über 100 Jahre alter Eschen, um das Eschentriebsterben zu verhindern) und das aberwitzige Anlegen riesiger sog. Femellöcher, wofür auch wieder ökologisch und für die Luftreinhaltung wertvolle Altbäume geschlagen werden, um dann junge Eichensetzlinge in die Erde zu bringen, die binnen weniger Jahre von Brombeeren, Holunder und vom nicht in einen Auwald gehörenden Spitzahorn überwuchert und unterdrückt werden. Unser Auwald braucht vor allem eines: hydrologische Dynamik, schwankende Grundwasserspiegel, und den naturnahen Wechsel von Trockenphasen und (für die Bevölkerung völlig unschädlich zu begrenzende) „Hochwasserereignisse“. Dies – und Zeit. Mehr nicht, keine Sägen, keine Pflanzungen, keine künstliche Beeinflussung. Nur die natürlichen Bedingungen. Dann stellen sich die auentypisch vielfältigen Lebensräume ganz von selbst ein und mit ihnen die große, in lebendigen Flussauen besonders große Biodiversität.

Hierzu hat sich nun im letzten Jahr z.B. die Landesdirektion geäußert und dem Vorhabenträger (Stadt Leipzig) für das Projekt Lebendige Luppe in der Burgaue entsprechend substantielle Nachbesserungen auferlegt.  Dazu haben die Leipziger Umweltverbände aktuell (und bereits 2014!) eine gemeinsame Erklärung abgegeben:

https://www.l-iz.de/politik/brennpunkt/2018/02/Das-Projekt-Lebendige-Luppe-muss-zu-einem-Projekt-Lebendige-Burgaue-ausgeweitet-werden-204485

Und, Ende Dezember 2017 hat das NuKLA Aueninstitut für Mitteldeutschland S.A.M. beim Bundesamt für Naturschutz einen Vorantrag für eine Machbarkeitsstudie zum AULA-Projekt2030 eingereicht. Dieser soll dort eine erste Einschätzung erhalten mit Hinweisen zur Vervollständigung, damit dann der endgültige Antrag mit Aussicht auf positive Bescheidung eingereicht werden kann. Den Weg hierzu ebnete das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit geebnet. Noch allerdings haben wir nicht einmal eine Eingangsbestätigung erhalten…….

 

http://www.kolleg.loel.hs-anhalt.de/professoren/hhaass/

Leipzigs Tor nach Süden: der Floßgraben. Das naturnahe und die meiste Zeit des Tages gesperrte Gewässer ist die einzige Bootsverbindung ins Neuseenland .

Quelle: André Kempner, LVZ 23.07.2015

Leipzig. Damit Leipzig punkten kann, seien ganz andere Investitionen nötig.

Sommer, Sonne, Sonnenschein – und ausgerechnet jetzt steht Leipzigs Gewässer-Tor zum Cospudener See nur stundenweise offen. Ruder- und Paddelboote dürfen den auf dem Weg nach Süden liegenden Floßgraben zum Schutz des Eisvogels nur noch von 11 bis 13, 15 bis 18 und 20 bis 22 Uhr passieren. Wenn Leipzig den Anschluss an die Gewässerentwicklung im Süden nicht verpassen will, muss die Stadt auf eine alternative Verbindung setzen, sagt Wassertourismus-Experte Heiner Haass (59).

Verballerte Millionen

„Man sollte einen künstlichen Kanal von der Stadt runter nach Süden anlegen, der uneingeschränkt mit Sportbooten befahrbar ist“, empfiehlt der Professor an der Hochschule Anhalt in Bernburg. „Alles andere ist Unfug. Darauf zu warten, dass sich die Situation am Floßgraben ändert, ist Illusion.“ Haass rechnet eher damit, dass sich der Schutzstatus noch verfestigt. „Es war von Anfang an bekannt, dass der Floßgraben ein Nadelöhr darstellt.“ Der Engpass könne niemals so aufgeweitet werden, dass er den Bootsverkehr einer Halbmillionenstadt in das Neuseenland aufnimmt.

Nun räche sich, dass die Politik den Schleusenbau in Connewitz einst gegen jedwede Vernunft durchboxte, so Haass. „Kein Politiker will diesen Fehler eingestehen, zurückrudern und sagen: Da haben wir damals Geld verballert.“ Vier Millionen Euro sind in die 2011 eröffnete Schleuse geflossen, deren Sinn durch die tägliche 17-Stunden-Sperrung des Floßgrabens auch schon von Umweltverbänden in Zweifel gezogen wurde.

Für Visionen wie einen Kanalbau bräuchte es klare Konzepte. Doch was dazu auf dem Tisch liegt, überzeugt den Hannoveraner nicht. Erst in diesem Jahr kam ein tourismuswirtschaftliches Gesamtkonzept für die Gewässerlandschaft im mitteldeutschen Raum heraus. „Die Realisierung wäre fatal“, warnt Haass, „da hierdurch nicht nur eine falsche Entwicklungsrichtung eingeschlagen würde, sondern auch viele tatsächliche Chancen ungenutzt blieben und schließlich auch öffentliche Gelder fehlverwendet würden.“ Den Masterplan nennt er eine „strategielose Sammlung vieler Einzelheiten“. Innovative und unkonventionelle Ideen? Fehlanzeige, sagt Haass. Die zehn aufgelisteten Leuchtturmprojekte, darunter „Klimaneutraler Tourismus in Mitteldeutschland“, erscheinen ihm hilflos. Haass: „Es fehlen echte Wassertourismusangebote. Die gemachten Vorschläge sind allgemein touristisch, einfallslos und ideenarm“. Die meisten Ziele seien obendrein Selbstverständlichkeiten.

Verkannte Potenziale

Den Autoren fehle überdies „die bootsfachliche, nautische und wassertouristische Kompetenz“. Sie nutzen Begriffe, die es in der Nautik nicht gebe, etwa Windentfaltung, Motorbootschifffahrt oder Motoryachten. Letztere seien laut Haass für die Region „völlig unpassend“, weil sie größere Schiffe mit Einbaumaschine und einer Länge von mindestens acht Metern bezeichneten. Der Professor spricht sich grundsätzlich gegen solche Boote und hohe Motorisierungen auf den Gewässern in und um Leipzig aus, weil sie andere Nutzer – Surfer, Kanuten und Jollenfahrer – verdrängen. Die Behörden müssten für die Seen und Flüsse einen verträglichen Bootsbesatz und maximale Bootsgrößen feststellen. Er habe nichts gegen Motorboote – sofern sie auf die Gewässer passen. „Mit einem Motorboot mit 30, 40 oder 50 PS, in dem vier Leute sitzen, könnte man problemlos fahren.“

Daneben hat Haass mit inhaltlichen Schwerpunkten im Konzept Probleme. Etwa mit der herausgehobenen Stellung des Kanu-Wanderns. „Die Kanu-Euphorie der 90iger Jahre“, schreibt er in seiner 20-seitigen Stellungnahme zu dem Papier, „hat ihren Höhepunkt bereits lange überschritten.“ Mittlerweile könne man quasi auf jedem Bach in Deutschland Kanu fahren. „Damit kann man die Einmaligkeit der Region auf keinen Fall stärken.“

Verkehrte Zielgruppen

Angeln sei dagegen völlig verkannt, dabei erfahre der Sport einen großen Zulauf. „Selbst Potenziale, die in der Region liegen, wurden nicht erkannt“, moniert der Sachverständige. Etwa die Flößerei, „die in den Leipziger Gewässern historisch entstanden ist“. Heiner Haass sieht darin ein Alleinstellungsmerkmal.

Das Konzept berücksichtige weder die alternde Gesellschaft noch die Bevölkerung vor Ort ausreichend. „Die große Zahl von Urlaubern, die mit dem Boot kommen, wird es nie geben“, ist Haass sicher. „Die Hauptkundschaft ist die regionale Bevölkerung.“

Analysen der Hochschule Anhalt hätten gezeigt, „dass ein Euro Umsatz aus dem Wassertourismus in der Naherholung bis zum Zehnfachen gesteigert werden kann. Dieses Geschäft ist also im Bootsbereich wirtschaftlich interessanter und lukrativer als der Tourismus.“ Viele Menschen auch in Leipzig hätten Interesse, sich ein Boot zuzulegen. Voraussetzung, damit sich Bootsbauer, Werften, Servicebetriebe und Wassersportschulen ansiedeln. Haass: „All das ist der Wirtschaftsfaktor im Wassersport, und der ist momentan nur minimal entwickelt.“

Quelle: André Kempner Leipziger Volkszeitung vom 23.07.2015

Das Leipziger Auensystem. Betrachtungen zur Situation, Potenzialen und Erfordernissen für die Erhaltung des Leipziger Auwaldes

 

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