Frage: Was hat der Englische Garten in München mit dem Auwald zu tun?
Antwort: Rein gar nichts!

Am Schwabinger Bach. Foto: W. Nohl
Dennoch setzten wir diesen Artikel auf unsere Auwaldseite, wir wollen hiermit zeigen, wie unbekümmert Verwaltungen anderer Städte mit den Kostbarkeiten der Stadtgesellschaft umgehen. Zum Glück für die Münchner Bürgerinnen und Bürger hat der Freistaat Bayern als Eigentümer diese “Vision” gestoppt. Auch die Stadt Leipzig hat wertvolle Flächen – z.B. im Auwald – und die eine oder andere merkwürdigen “Vision”, was man auf diesen Flächen macht bzw. machen will, Stichtworte wären z.B. “Wassertouristisches Nutzungskonzept” (nach wie vor in der Warteschleife) oder das Experiment “Mittelwaldwirtschaft” in der geschützten Burgaue, final gestoppt durch das von NuKLA erfochtene Urteil des OVG Bautzen.
Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Zustimmung des Autors (s.u.).
Sind innerstädtische Grünflächen Verkehrserwartungsland? – Argumente gegen eine zweigleisige Straßenbahn durch den Englischen Garten in München
Werner Nohl*
1. Vorbemerkungen
Vor knapp 25 Jahren wollten die Stadtwerke München – nicht zum ersten Mal in den letzten 100 Jahren – eine zweigleisige Straßenbahn quer durch den einzigartigen, 200 Jahre alten Englischen Garten in München führen. Die Genehmigungsbehörde hatte damals dieses Ansinnen abgelehnt, weil dadurch der Englische Garten als bedeutsamer Erholungsraum wie vor allem auch als weltberühmte und denkmalgeschützte Parkanlage zerstört worden wäre (vgl. auch mein Gutachten von 2000 auf meiner Homepage). Die Stadtwerke interpretierten die Ausführungen der Genehmigungsbehörde verengend dahin gehend, dass insbesondere die notwendige „Verdrahtung“ (Oberleitung) und die Vielzahl der Masten den außerordentlichen Denkmalwert des Gartens zerstören, und die notwendigen Baumfällungen irreversible Umweltschäden nach sich ziehen würden. Nachdem zwischenzeitlich ein Straßenbahntyp möglich ist, der auf begrenzten Strecken batteriebetrieben operieren kann, versuchen die Stadtwerke heute erneut, ihr altes Ziel einer Straßenbahn durch den Englischen Garten zu verwirklichen. Dabei interessiert sie offensichtlich weder der einmalige kulturelle Wert des Englischen Gartens und seine touristische Bedeutung für die Stadt München noch die Tatsache, dass es eine Reihe realistischer Alternativen für eine Straßenbahnlinie im Sinne einer „Nordtangenten“ gibt, die Tram durch den Englischen Garten also auch aus verkehrlicher Sicht gar nicht notwendig ist. Im März diesen Jahres hat nun der Freistaat Bayern, der im rechtlichen Sinne Eigentümer des Englischen Gartens und damit auch der für die Straßenbahn vorgesehene Trasse ist, entschieden, dass er den Bau der von der Stadt München geplanten Straßenbahn nicht erlauben wird. Da aber damit zu rechnen ist, dass die Stadt München sich mit diesem Beschluss längerfristig nicht zufrieden geben wird, werden im Folgenden aus der Sicht einer Stadtkultur, die sich nicht auf die Lösung aktueller Verkehrsprobleme reduzieren lassen will, noch einmal die Konflikte und Beeinträchtigungen beleuchtet und zur Diskussion gestellt, die sich mit dem Bau einer Straßenbahn durch den Englischen Garten eingestellt hätten. Weiterlesen →